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50 Jahre Skiffle Track (1974 - 2024) | Skiffle Track

50 Jahre Skiffle Track (1974 - 2024)

Montag, 12. Februar 2024


Nichts bleibt so wie es immer war!
Viele Bands der traditionellen Jazz Szene stellen das fest, auch Skiffle Track.
Die Liebe zu der Musik, die mich veranlasst hat, eine Band zu gründen, bleibt wohl für immer, aber die Musiker die sich zusammengefunden hatten sind älter geworden. Es stimmt mich schon traurig zu sehen, wie schwer es für manche Band wird, sich zu formieren, weil ein Musiker gegangen ist, manchmal auch für immer.
So hat es in den letzten Jahren auch für Skiffle Track Veränderungen gegeben. Wir waren nie wirklich eine reine Skiffle Band, wir hatten ja schon von Beginn an eine Klarinette dabei. So etwas gab es auch schon in den 1960ern zur Zeit des Skiffle Craze, es war nicht üblich, aber machte unsere Musik bunter.
Zu Skiffle Track gehörten bei der Gründung und bei dem 1. Auftritt im Cotton Club: Heino Ramm: Klarinette, Flöte, Mundharmonika, Voc.; Dieter Lütz: Gitarre, Voc.; Helmuth Marciniak: Teekisten-Bass; Klaus Dieter Haettich: Waschbrett und Akkordeon, Voc.; Karin Marciniak: Banjo, Voc. und später kam Sven Marciniak dazu mit dem 5-String Banjo und der Dobro -Git.

Doch bevor ich Skiffle Track formierte, gründete ich die erste weibliche Band in Norddeutschland, die Lady Crackers. Dass wir die erste Mädchenband waren, erfuhren wir aus der Presse, allerdings erst nach unserem 1. Auftritt im Haus der Jugend in Harburg. In jeder Hamburger Zeitung war zu lesen: „4 reizende Mädchen machen Musik, zusammen sind sie 64 Jahre alt“! Wir hatten alle vorher noch kein Instrument gespielt, aber es gelang mir, die 3 zu motivieren sich für ein Instrument zu entscheiden und Unterricht zu nehmen. Skiffle sollte nur ein Einstieg sein, es sollte daraus eine Jazz Band werden.
Heike Rademacher, Waschb,+Tr., Brigitte Böhme voc.,git., Regina Mersiowsky Teekisten Bass + Kl., und ich nahm Banjo- Unterricht.
Wir hatten großartige Angebote, Fernsehauftritte, gaben eine Einlage bei dem Konzert der Polizei-Kapelle in der Laeiszhalle, und große Veranstalter, die etwas „Besonderes“ anbieten wollten, hatten die 4 Mädchen im Sinn. Man erwartete, dass wir in Röcken auf die Bühne kamen, damit man auch sehen konnte, dass wir Mädchen waren. Dieser ganze Hype war wie ein Wirbelwind über uns hereíngebrochen, und wir konnten kaum mithalten.

Dann lernte ich meinen späteren Mann kennen, er war 11 Jahre älter als ich, und er hatte den Wunsch zu heiraten und mit mir Kinder zu bekommen. Ich war verliebt und wollte diesen Weg mit ihm gemeinsam gehen. Wir heirateten, und ich wurde schwanger. Noch im 4. Monat mit meinem Babybauch stand ich mit den Lady Crackers auf der Bühne. Dann, 1963 Probeaufnahmen bei Polydor: es sollte eine LP mit Hamburger Skiffle Bands werden, aber die Beat Ära machte uns einen Strich durch die Rechnung. Skiffle war vorerst nicht mehr angesagt.

Ich musste von meinem Traum, eine weibliche Jazzband auf den Weg zu bringen, Abschied nehmen. Das war einer der traurigsten Momente in meinem jungen Leben. Mit Tränen habe ich mich von meinen Freundinnen getrennt, wohl wissend, dass die Lady Crackers nun Geschichte sein werden.

Nun, irgendwann hatte ich mein Leben neu sortiert und auch wieder Zeit, an die Musik zu denken.
Auslöser war ein Treffen mit einer Jugendfreundin und ihrem Mann, den sie mir stolz als Sänger und Gitarrist der ehemaligen Ken Skiffle Babies vorstellte, einer bekannten Harburger Band. Mit Dieter traf ich mich, und zaghaft haben wir zusammen „Pay Me My Money Down“ gesungen. Seine Stimme hatte mich sofort begeistert, es musste weitergehen und es ging weiter!

Heino, den ich schon mit 16 kannte, ließ sich, obwohl eingefleischter Jazzer, auf das Experiment Skiffle ein. Helmuth war bereit die Teekiste zu spielen, und er war der Beste. Klaus Haettich lief uns bei einem Konzert von Leinemann über den Weg und war sofort Feuer und Flamme. Er schlug sich am neuen Waschbrett die Finger wund, um bei der ersten gemeinsamen Probe mithalten zu können. Skiffle Track war formiert und bereit für die Bühne.

Wir hatten wunderbare gemeinsame Jahre, privat und musikalisch. Die Einschränkung; nur 2 Termine im Monat wahrzunehmen, war nicht allen recht: Klaus wollte mehr und so kam ein neuer Waschbrett-Mann in die Band. Peter Greszchek war einer, der lieber die Drums bediente, aber wir wollten den ratschenden Rhythmus des Washboards für unseren Sound, und er machte das großartig... für einige Jahre! Dann übernahm Hans-Peter Scheiblich- Frenzel die Aufgabe uns rhythmisch aufzumischen. Viel zu jung ist Hape ganz plötzlich von uns gegangen.
Helmuth war aus Altersgründen den Anforderungen, die der Teekistenbass stellt, nicht mehr gewachsen und Sven stieg aus, weil er sich mehr der Familie widmen wollte.
Für Helmuth kam Wolfgang Ahrends (Wolle) mit einem richtigen Bass zu uns, und die Teekiste steht seit dem verweist in meinem Keller. Wer will schon heute noch so ein primitives Instrument spielen?
Wir 3, die Frontline, Heino, Dieter und ich, waren noch nicht bereit die Musik an den Nagel zu hängen, wir waren noch zu sehr motiviert. Es fehlte aber nun ein Waschbrett und auch ein Gitarrist der unseren Sound voller machen sollte und uns musikalisch bereichern konnte. Der Zufall brachte den Jörg Zschimmer zu uns. Seit einigen Jahren lebte er schon in Hamburg, und obwohl er im Frankfurter Raum bekannte Bands gekonnt mit Banjo und Gitarre begleitet hatte, hatte er noch keine feste Band in unserer Stadt gefunden. Von unserem Fan und Freund Klaus Martensen wurde er mir empfohlen, und in der Rotbuche war er zum ersten mal dabei. Es war neu, ganz anders, wir näherten uns mehr dem Jazz, und es gefiel uns und vor allem auch den Gästen, unseren Fans.
Für geraume Zeit konnten wir dann Wolfgang Frehse mit seinem Waschbrett bei uns einbinden, aber er war so viel mit anderen Bands unterwegs, dass ihm nicht genug Zeit für Skiffle Track blieb.

Nun waren wir also wieder auf der Suche nach einem Waschbrett- Mann/ Frau, aber diese Spezies ist rar geworden, und ich sorgte mich für die Zukunft. Eine Skiffle Band ohne Waschbrett ist irgendwie keine Skiffle Band mehr, oder doch? Eine Alternative wäre ein Cajon, und dafür hatten wir für eine kurze Zeit den Fridtjof Schulze, der Musik studierte und auch ganz hervorragend das Schlagzeug bedient. Nach seinem Ausstieg, weil Joffi nach dem Studium ja nun professionell unterwegs war, begegnete ich dem Thomas Abbe-von Düren, Leader und Mann am Washboard der Sundown Skiffler aus Suhr bei Bremen. Er ist mit einer unglaublichen Begeisterung dabei und bot sich sofort an, wann immer er Zeit hat, meine Band rhythmisch zu unterstützen. Das klappte nicht immer und so traute ich mich, den bekanntesten Hamburger Washboarder, Gunther Andernach, zu fragen, ob er sich vorstellen könnte, bei uns auszuhelfen. Er konnte und wollte und ist seit dem dabei, und mit seinem Aussehen und seiner besonderen Schlagtechnik durchaus ein Blickpunkt.

Durch meine 26 jährige Tätigkeit für Swinging Hamburg e.V., in den letzten Jahren als 1. Vorsitzende, hatte ich auch die Möglichkeit, in die Hamburger Szene einzutauchen und Nutzen für meine Band daraus zu ziehen. Die unendlich vielen Radiosendungen (ca.300) im Hamburger Lokalradio, die ich nun schon viele Jahre auch mit meinem jetzigen Lebensgefährten Dr. Jörg Zschimmer gemeinsam produziert habe, waren eine wunderbare Möglichkeit, diese unsere Musik zu verbreiten. Wir allein konnten entscheiden, was wir senden wollen, und wir haben viel Feedback bekommen. Auch diesen Teil meiner Freizeit-Beschäftigungen lasse ich nun hinter mir. Den von mir ins Leben gerufenen „Swinging Hamburg City Jazzwalk“, den ich mit Hilfe unseres Vereins 11 x durchführen konnte, werde ich aber weiterhin mit meinem Wissen um die Organisation, unterstützen. Dass ich die Möglichkeit hatte, mich so vielen Dingen widmen zu können, verdanke ich meinem Beruf als Schauwerbe-Gestalterin, den ich bis Ende 2022 freiberuflich ausgeübt hatte.

Ich komme zurück zum Anfang meiner Geschichte: Nichts ist wie es einmal war? Vielleicht stimmt es nicht so ganz, nur das mit dem älter werden, das verändert so manches. Meine „Schönheit“ verflüchtigt sich, die Stimme verändert sich, sie wird tiefer und empfindlicher, das Banjo wird immer schwerer, das alles lässt mich ans Aufhören denken. Wir hatten gerade in 2023 wunderbare, oft ausverkaufte Konzerte mit einem begeisterten Publikum, und wie sagt man doch immer? „Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören!“

Und so ist es! Skiffle Track sagt „Tschüss“! Wir feiern am 17. Februar 2024 unseren Abschied vom Cotton Club, der uns in 50 Jahren zur musikalischen Heimat geworden ist. Am 05. April sagen wir in der Fischhalle in Harburg Tschüss und am 21. Juli verabschieden wir uns von unseren Bergedorfer Fans im Schlosshof.
Alle Termine findet Ihr auf unserer Website: www.skiffle-track.de
Ganz herzlich grüße ich Euch
Karin Marciniak